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Clown-Blog der Clownschule Tamala -


Ist Humor erlernbar?

Vielen von uns ist bei der Arbeit, im Alltag oder in unseren Familien das „Lachen vergangen“. Dieser Spruch basiert auf einer Wahrheit, die inzwischen die Wissenschaftler der Stanford Universität in den USA nachgewiesen haben. Während Kinder noch 400mal am Tage lachen, lachen wir als Erwachsene am Tag nur noch 15 -20mal und am wenigsten am Arbeitsplatz. Hier reduziert sich das Lachen in der Regel auf 5mal am Tag. In einigen Unternehmen liegen diese Zahlen sogar noch darunter. Von daher stellt sich ganz klar die Frage: Kann ich die humorvolle Seite in mir reaktivieren, kann ich als Führungskraft Freude und damit eine positive Leidenschaft ausdrücken.

Hier bin ich als Higher Ground Leader aufgefordert, mich mir selbst zu stellen und mich zu erforschen. Denn nur was ich als Führungskraft ausstrahle, wird auch weitergetragen. Charisma basiert auf der Kraft, mit sich einverstanden zu sein, im Fluss des Lebens integriert zu sein.

Um Humor wieder zu erlernen, ist es zunächst notwendig, den Alltag – mein ganz persönliches Umfeld – neu wahrzunehmen. Es ist die innere Aufforderung, die Perspektive meiner Lebenssicht zu verändern. Gelingt es mir, in den alltäglichen Dingen, in Begegnungen mit anderen Menschen aus einer inneren Distanz die komischen Dinge überhaupt wahrzunehmen? Es ist der sogenannte Perspektivwechsel, den ich einleiten muss, um meine humorvollen Ressourcen zu aktivieren. Ob ich ein halbvolles Glas als halbvoll definiere oder als halbleer, ist schon eine Entscheidung von enormer Wichtigkeit. Ich kann in einer Begegnung das Dramatische und Leidvolle wahrnehmen oder mich für die komischen Anteile des Lebens entscheiden.

Damit entziehe ich Begegnungen und Ereignissen nicht die Wichtigkeit, sondern entziehe ihnen nur das Potential der „Depressivität“. Angst, Leid oder Depression sind immer Zustände von Energiestau. Humor und Freude bedeutet „im Fluss sein“ und dies bringt Energiegewinn und damit Erhöhung meiner persönlichen Wachheit.

Diesen Perspektivwechsel leiten wir im Einzelcoaching oder in Teamtrainings mit der Übung „Die Welt anders sehen“ ein. Hier geht es darum, in der Vorstellung Handlungen zu finden, die das eigene Alltags- oder Berufsleben um Nuancen lebendiger, freudiger oder menschlicher machen können.

Eine Zeremonie, bei der die Teilnehmer nicht lauthals lachen konnten, hatte ihre Wirkung nicht erreicht. Clowns waren Teil jeder Zeremonie und jedes Rituals. Eine andere Form, um im Leben des Stammes Lachen und Humor zu erzeugen, waren die Contraries und die Heyokas. Contraries lebten „verkehrt“ herum, d.h. sie taten immer das Gegenteil von dem, was normal war: z.B. wuschen sie sich mit Sand und trockneten sich mit Wasser ab. Einer ihrer Stilmittel war es eine verkehrte Sprache zu benutzen, indem sie die eigentliche Bedeutung umkehrten. „Nein“ bedeutete „Ja“ und „Hallo“ bedeutete „Auf Wiedersehen“.

Während die Contraries immer, d.h. bei allen alltäglichen Beschäftigungen mit diesem ungewöhnlichen Verhalten verblüfften, waren die Heyokas ausgewählte Personen, die dieses konträre oder humorvolle Verhalten in der Arbeit als Medizinmann, als Schamane oder bei der Jagd zeigten. Sie waren – als indianische Clowns – neben dem Häuptling die angesehenste Person im Stamm.

Durch die Anwesenheit eines Contraries oder Heyoka wurden die Indianer an ihre Begrenztheit erinnert: über Fehler und Ungeschicklichkeiten im Alltag konnte jederzeit lauthals gelacht werden. Perfektionismus und Humorlosigkeit wurde mit Missachtung und Ausgrenzung geahndet, da dieser Mensch den Kontakt zu seinen Visionen und den Geistwesen verloren hatte.

So war es in der spirituellen und gesellschaftlichen Tradition der Plainsindianer von fundamentaler Bedeutung, eine demütige Haltung im Leben zu erlangen. Zur Demut der Indianer gehörte es, sich niedriger zu fühlen „als selbst die kleinste Ameise“ (Black Elk). Das Verständnis der Indianer implizierte eine demütige Haltung, so daß man über sich selbst lachen konnte. Die größte innere Entwicklung vollzog daher ein Heyoka: er forderte heraus, daß andere über ihn lachten. Stolz ist ein Hindernis für spirituelle und gesellschaftliche Entwicklung. Um sich dessen zu erinnern, hat die indianische Kultur mehrmals im Jahr die Heyoka-Zeremonie eingeführt: ein närrisch-clownesker Tanz zur Anrufung des höchsten Wesens, dem Donnerwesen.

Lachen: eine urmenschliche Eigenschaft

Lachen und Humor ist eine universelle Eigenschaft. Nur der Mensch ist fähig, seine Freude durch Lachen zu äußern, auch wenn Biologen ähnliche Eigenschaften inzwischen bei Hunden und Schimpansen nachweisen können. Lachen hat beim Menschen einen sozialen, psychischen und gesundheitsfördernden Effekt.
Durch Lachen werden verschiedenartige hormonelle und biologische Prozesse in Gang gesetzt: von der Ausschüttung der Endorphine, den sogenannten Glückshormonen, über die Muskelentspannung bis hin zur Befreiung des Atems reichen die gesundheitsfördernden Aspekte des Lachens. Die Gelotologen (Gelotologie = Wissenschaft vom Lachen) haben herausgefunden, daß 10-minütiges Lachen genauso wirkungsvoll ist wie ein einstündiger Jogginglauf. Abgesehen von seiner gesundheitsfördernden Wirkung hat Lachen auch viele psychologische und soziale Funktionen: es baut Stress ab, fördert die sozialen Beziehungen und führt den Menschen zu sich selbst. Denn nur mit einer positiven Lebenseinstellung können wir Freude und Zufriedenheit erlangen.

Und damit sind wir bei der Grundvorrausetzung des Lachens: Lachen entsteht nicht aus sich selbst heraus. Es bedarf eines Ereignisses, einer inneren Einstellung und in der Regel ein äußeres Erlebnis. Auch wenn Dr. Kataria und seine indische Lachclubbewegung uns Wege aufzeigt, Lachen jederzeit und ohne Grund zu erzeugen, ist dies auch in dieser Bewegung gekoppelt an ein äußeres Ereignis: in diesem Fall die anregende Wirkung der Lachübungen.

Humor und die Haltung der inneren Freude sind die Grundbedingungen, damit Lachen entstehen kann. Clowns und Komiker besitzen seit Jahrtausenden (so lange gibt es schon Clowns in allen Kulturen!) die Tricks und Regeln, um den Zuschauer jederzeit zum Lachen zu bringen.

Inzwischen ist weltweit eine Humorbewegung entstanden, die Wege aufzeigt, von Clowns und Komikern zu lernen, um im Alltag mit Freunden, Ehepartnern und Kindern eine humorvolle Haltung einzunehmen. Denn wer miteinander lacht, kann den vielen alltäglichen Problemen der modernen Welt mit mehr Leichtigkeit und Zufriedenheit begegnen. Humorvolle Menschen finden in der Regel leichter eine kreative Lösung.

Das Lachen ist nur in unserer westlich-abendländischen Kultur ausgegrenzt worden: für die katholische Kirche und vielen christlichen Bewegungen war Lachen und Freude am Leben verbunden mit Sünde und Ausschweifung, für die es eine Strafe im Jenseits gab.

So wurden am Ende des Mittelalters die Narren und Clowns durch Inquisition und Verfolgung konsequent verboten und über Jahrhunderte in Europa ausgerottet. Übrigens war dem Eifer der Missionare keine Grenzen zu setzen. Auch in anderen Teilen der Welt wurde das Lachen und der Humor verboten.

Wen wundert es da, daß wir das Lachen verlernt haben!

Kinder lachen am Tag noch 400 Mal, weil sie sich über die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens freuen können. Als Erwachsene reduzieren wir das Lachen auf 40 Mal am Tag. Am Arbeitsplatz und in unseren alltäglichen Beschäftigungen verringern sich die innere Freude und das Lachen auf Werte, die so weit unten liegen, dass unsere Gesundheit und unser psychisches Wohlergehen gefährdet sind. In der westlichen Welt sind deshalb Depression, Burnout und Krebs die Volkskrankheiten Nummer eins. All diese Krankheiten haben Menschen, die viel lachen, nicht – so die Gelotologen der amerikanischen Stanford Universität. Die Wissenschaft bestätigt also, wie wichtig es ist, Humor, Freude und Lachen in den Alltag zu integrieren. Die Humorbewegung ist zu einem wichtigen Baustein der Gesundheitsvorsorge geworden. Einige europäische Länder wie England, Frankreich und seit kurzem auch Italien, Niederlande und Belgien rechnen Humortrainings und Lachtherapien über Krankenschein ab.

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Info:
Ist Humor erlernbar? ist Beitrag Nr. 38
Autor:
admin am 25. Juni 2009 um 10:23
Kategorie:
Humor
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