
Jubiläums-Festschrift der Clownschule
- vom Kultusministerium Baden-Württemberg (PDF)
- vom Oberbürgermeister Stadt Konstanz
- Ein Traum ist wahr geworden (Udo Berenbrinker, Jenny Karpawitz)
-
Grußworte des Oberbürgermeister Stadt Konstanz
Sehr geehrte Damen und Herren,
„Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat,“ meinte der französische Dichter Nicolas Chamfort so treffend. Recht hat er. Wir alle kennen die Sprichworte über das Lachen. Ob Aristoteles in der Antike oder Oscar Wilde, die Philosophen und Dichter wussten um die Bedeutung des Lachens als Heilmittel für Körper und Geist, als schöner Ausdruck von Glück und Lebensfreude. Dass sie damit richtig lagen, belegen heute wissenschaftliche Studien.
So lange es das Lachen gibt, gibt es auch die Narren und Clowns. Clowns muss es einfach geben! Denn sie ermöglichen einen anderen Blick auf das Leben. Über sie können wir auch dann lachen, wenn wir über uns selbst oder das Leben nicht lachen können. Clowns sind ein lebendiges Symbol für Lebensfreude, Spaß und Humor.
Es freut mich, dass Konstanz mit der Tamala-Clown-Akademie die älteste und renommierteste Clown-Akademie in Deutschland beherbergt und ich gratuliere der Tamala-Akademie recht herzlich zu ihrem 25-jährigen Jubiläum. Der Erfolg und die Anerkennung, die ihre Ausbildung zum Clown oder „Gesundheit! Clown“ erfährt, gibt der Idee der beiden Gründer und Leiter der Tamala-Akademie Udo Berenbrinker und Jenny Karpawitz Recht.
Mit Leidenschaft und Kompetenz habe sie ihre Version verwirklicht. Heute arbeiten die ehemaligen Schützlinge der Akademie nach ihrer fundierten Ausbildung zum Beispiel in Medizin und Therapie, sie bringen gerade dorthin Freude, wo sie um so wertvoller ist, in Kliniken und Altenheimen, oder zu Kindern. Ihre Gabe, ihren Mitmenschen eine Freude zu bereiten und andere zum Lachen zu bringen auch dann, wenn ihnen nicht danach ist, ist eine Kunst und eine Bereicherung.
Ich wünsche der Tamala-Akademie auch für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg. Und ich hoffe, dass durch ihre Ausbildung und Arbeit noch viele Menschen Freude haben und lachen können.
Horst Frank
Oberbürgermeister der Stadt Konstanz -
FREUDE MACHT LUST AUF LEBEN
ein Traum ist wahr geworden
Wann und wo hat alles angefangen? Beginnt die Geschichte der Clownschule vor fast 30 Jahren, als wir (Jenny Karpawitz und Udo Berenbrinker) uns in Freiburg getroffen haben - zwei neugierige, lebensfrohe Geister -, um heraus zu finden, ob das Leben nicht lustvoller und freudiger gestaltet werden kann?
Oder beginnt die Geschichte mit der Gründung des Studios für Experimentelles und Freies Clowntheater im April 1983 in Rastede (Oldenburg)? Fängt alles mit dem ersten privat organisierten Seminar (1980) in Südfrankreich an?
Vielleicht haben wir Ende der 70er Jahre nur den Aufbruch in eine andere Menschlichkeit und damit einen humorvolleren Lebensstil erfasst.
Es gibt vieles, das dazu beigetragen hat, was „Tamala“ heute ist. Sicher ist, dass wir aus dem unbeschwerten Übermut zweier jung gebliebener Erwachsener nach neuem Ausdruck suchten. Wir reden nicht vom Zufall, wenn sich uns da die Welt der Clowns auftat. Aber was für eine Welt!?
In unserem Herzen waren Clown, Clownin, Lachen, Staunen und Freude. In der Welt da draußen entstanden viele Fragen: Wie wird Mann/Frau zum Clown, was steckt dahinter, ist es möglich, den lebendigen Ausdruck und die ansteckende Freude zu erlernen?
Da gab es Jango Edwards, den „König der Fools“ und F.J. Bogner, einen Radikal-Erneuerer der Clownfigur und – die Reduzierung der Zirkusclowns als Spaßmacher . Sonst stießen wir auf Unwissenheit und Unkenntnis.
Niemand konnte uns eine wirkliche Antwort geben. So begann unsere jahrelange Forschung und Auseinandersetzung: wir fanden Schauspieler und Clowns im Ausland, fanden Informationen in alten Büchern und besuchten im Ausland die ersten Seminare.
Nach und nach wurden unsere Fragen beantwortet und manch eine „Nacht am Küchentisch“ ließ uns dann zufrieden als Philosophen der Clownerie zu Bett gehen. Die Begeisterung übertrug sich dann auch in die Seminare – übrigens fanden diese an Orten statt, wo wir uns heute kaum mehr hinwagen würden: ein verlassenes Dorf in Südfrankreich oder Tagungshäuser ohne Strom....
Schließlich gründeten wir unter dem Namen Albatros – Studio für experimentelles und freies Clowntheater die erste Clownschule im deutschsprachigen Raum. Anfangs waren die ersten Fortbildungen Clowntheater auf ein halbes Jahr beschränkt. Erst allmählich erweiterte sich die Ausbildung auf drei Jahre.
Höhepunkte in den 80er Jahren waren sicher die Sommerseminare „Clown & Straßentheater“ in Umbrien (Italien) und Portugal. Hier konnten die Teilnehmer in einfachen Bauerndörfern oder vor mittelalterlichen Kulissen ein neugieriges Publikum begeistern. Es war nicht selten, dass die Dorfbewohner uns mit Kind und Kegel und eigenen mitgebrachten Stühlen erwartete.
Die Clowns sind da – grande spettacolo!
1991 zog es uns aus dem hohen Norden Deutschlands in den Süden an den Bodensee und die Clown Schule mauserte sich zum Institut für Clown und Theater. Experimente mit einem neuen Comedy-Stil ließen ungewöhnliche Abendstücke entstehen wie „Das Experiment“ und „Es gibt sie doch“, die – so manche Kritik – eher nach Berlin auf Großstadt-Bühnen gehört hätten als an den See. Es ist also nicht das erste Mal, dass wir der Zeit voraus eilten.
Ende der 90er Jahre entwickelten wir innerhalb des Projektes „ Die Heilende Kraft des Theaters“ den Gesundheit!Clown – Clowns für medizinisch-therapeutische Einrichtungen – der 2005 vom europäischen Patentamt anerkannt wurde.
Heute können wir mit Recht sagen, dass die Tamala Clown Akademie ein pädagogisches Konzept vertritt, das jedem Einzelnen ermöglicht, die tiefe Dimension der Figur Clown zu entdecken und Freude jederzeit zu aktivieren und anderen weiterzugeben.
Unter dem Begriff Emotionaler Humor haben wir die Gefühle in das Clowntheater integriert, und die Tamala Clown Akademie hat Wesentliches dazu beigetragen, dass die Figur Clown im Theater und in der Gesellschaft wieder salonfähig wurde.
Die Tamala-Clowns arbeiten als Gesundheit!Clown in Altenpflegeheimen oder in der Arbeit mit kranken Kindern, neue Ansätze in Pädagogik und Therapie werden entwickelt und die Akademie bietet Humortrainings für Führungskräfte internationaler Firmen an.
Ach ja:
Unser Motto in den Ausbildungen „Es darf auch Spaß machen“ begleitete von Anfang an die Entwicklung der Clown Schule. Denn hinter all der Arbeit, den der Beruf des Clowns mit sich bringt, ist das Lachen und die Freude in den Augen der Menschen das schönste Geschenk.Udo Berenbrinker und Jenny Karpawitz
Gründer und Leiter der Clown Akademie

