Jerzy Grotowski

Wie kein anderer hat Jerzy Grotowski (1933–1999) in den 50er Jahren das Theater revolutioniert. Er gilt als Wegbereiter der Freien Theatergruppen. Grotowski begriff Theater als ein Mittel, die Welt und sich selbst zu erkunden. Im Zentrum seiner methodischen Forschung stand die Beziehung zwischen Schauspieler und Publikum.

Vor allem sein Begriff des „Armen Theater“ hat die Bewegung der Freien Theaterszene und die moderne Clownbewegung beeinflusst. Armes Theater bedeutet die Reduzierung auf das Wesentliche, auf das, was sich zwischen Schauspieler und Zuschauenden abspielt. Es ist der Weg der direkten Kommunikation.

Diese direkte Kommunikation kann erreicht werden, indem die Schauspieler ohne Schminke, eigenständige Kostüme und Bühnenbild, ohne abgetrennte Aufführungsbereiche, ohne Beleuchtung und Toneffekte arbeiten. Diese für die damalige Zeit (60er Jahre) revolutionäre Forderung ermöglichte das Entstehen von anderen Spielformen: Straßentheater, Walk Act, Eventtheater und später auch Clownvisiten, Restaurant Comedy u.a.

Die Intensität des körperlichen Ausdrucks – der Schauspieler drückt alles, auch Geräusche, mit seinem Körper aus – wird durch ein umfassendes körperliches und stimmliches Training erreicht. Der Körper eines Schauspielers wurde früher für dramatische, nicht authentische Gesten, für Tanz oder Pantomime eingesetzt.

Dies änderte sich mit den Forschungen Jerzy Grotowskis. Über die "Via negativa" wurde solange an den körperlichen Blockaden, an der Beweglichkeit und Durchlässigkeit gearbeitet, bis der Schauspieler fähig war alles auszudrücken – direkt und intensiv.

Der Körper soll in einen Zustand absoluter Wachheit und Präsenz kommen. Training in Yoga, Atemübungen, Elemente des asiatischen Theaters und Entwicklung eines stimmlichen Ausdruck (aus den Resonanzräumen) sind der Arbeit des Grotowski Laboratoriums zu verdanken.

Gleichzeitig wird die Improvisation als Technik zum Erarbeiten von Szenen, wie sie schon Shakespeare angewandt hat, wieder belebt und weiterentwickelt.

Das Grotowski Training basiert auf einer großen Ethik: Die Suche nach der Wahrheit im Spiel und im Kontakt mit dem Zuschauenden sowie Ablegung der persönlichen Masken, um authentisch und glaubwürdig zu sein, sind Grundforderungen an die Schauspieler. „Der Schauspieler und der Mensch hinter dem Schauspieler soll sein innerstes Wesen zeigen, seinen inneren Impulsen folgen und nicht von Motiven wie Macht, Ansehen, Eitelkeit leiten lassen.“ (Thomas Richard)

Als direkte Schüler der Schauspieler des Grotowski-Laboratorium (Cyslak, Zynkutis, Molik) in den 70er und 90ger Jahren haben Udo Berenbrinker und Jenny Karpawitz das Grotowski Training als erste in das Training im Bereich Clown und Comedy integriert. Das Grotowski Training ist eine der Grundlagen der an unserer Akademie gelehrten Tamala Schauspiel Methode.




Literatur:

  • Jerzey Grotowski: Für ein armes Theater (Alexander Verlag)
  • Thomas Richards: Theaterarbeit mit Grotowski (Alexander Verlag)
  • Barbara Schwerin v. Krosigk: Der nackte Schauspieler (Alexander Verlag)
  • Walter Pfaff: Der sprechende Körper ( Museum f. Gestaltung Zürich)
  • Eugenio Barba: Jenseits der schwimmenden Inseln (Rowohlt)


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