Medizinrad-Clown

Die 4 Schritte des Clown-Bewusstsein

(Auszug aus: Humorkompetenz – clowneske Strategien in der Mitarbeiterführung, Karpawitz/Berenbrinker)

Der Archetyp Clown kann in vier unterschiedliche Bewusstseins- und Handlungsaspekte aufgeteilt werden, die den vier Himmelsrichtungen des indianischen Medizinrades zugeordnet sind:

SÜDEN = Wasser, Kind, Emotionen, Clown
WESTEN = Erde, Jugend, Körper, Contra oder Gegenteiler
NORDEN = Luft, Erwachsener, Mind/Bewusstheit, Narr
OSTEN = Feuer, der/die alte Weise, Bewusstsein, Trickster

Sowohl in Managementtrainings als auch in unseren Ausbildungen folgen wir diesem System.

 

 

Wir „betreten“ den Kreis des Medizinrades im Süden und begegnen hier dem Clown als Sinnbild des freien Kindes: ohne Scham, lebendig, im Fluss des Lebens. Der Süden steht in der indianischen Mythologie für Wasser = Bewegung. Hier finden wir den Aspekt der Emotionen und sehen damit den Clown in direkter Verbindung mit dem Ausdruck authentischer Gefühle und entwickeln den emotionalen Humor.

Mit diesem ersten Schritt, mit diesem ersten Aspekt der Urfigur Clown beginnen wir jedes Humortraining. Wir brauchen die innere Freiheit, die Unbeschwertheit des „kindlichen Clowns“, um uns abzukoppeln von einengenden Denk- und Verhaltensmustern. Jeder Teilnehmer erfährt – nur mit der roten Nase verkleidet – die Phantasie und Spontaneität kindlicher Ressourcen.

Mit zunehmender Erfahrung werden wir freier und wandern weiter auf dem Medizinrad Richtung Westen. Hier kommen wir zum Jugendlichen und dem Element Erde. Wir sind auf der Erde angekommen, aber wir leben noch in der Kraft der Unbeschwertheit.

Der Körper will sich ausprobieren und wir begegnen dem Aspekt des Heyoka-Clowns, genauer dem Contra oder Gegenteiler. Der Contra (ein indianischer Begriff für eine sehr spezielle Verkörperung der Urfigur Clown) ist für jeden Organismus – ob Individuum, Unternehmen oder Gesellschaft – ein ungemein wichtiger Aspekt. Er sollte nie fehlen, da seine regulative Kraft Altes in Frage stellt und damit Neues ermöglicht. Im indianischen Sinne provoziert der Contra-Clown, indem er Alltagshandlungen entgegengesetzt der Norm ausführt: er wäscht sich z.B. mit Sand und trocknet sich mit Wasser ab.

In diesem 2. Schritt geht es darum, das Heyoka-Bewusstsein - wie wir es nennen - zu entwickeln: wir lernen die Welt anders wahrzunehmen und entwickeln die Fähigkeit des Perspektivwechsels. Wir erkennen die komischen Momente und würdigen sie als Gelegenheiten menschlichen Ausdrucks. Heyoka-Bewusstsein verhilft uns zu einer humorvollen Haltung, die durch Unerwartetes verblüfft und zum Lachen bringt.

Weiter auf dem Medizinrad gehen wir vom Westen zum Norden. Der Erwachsene und das Element Luft erwarten uns. Hier wird auch unser Clown“ erwachsen“ – er verbindet sich mit dem Mind und sieht die Welt und seine Handlungen mit der Bewusstheit des Narren.

Unser Spiel verwandelt sich mit der Kraft des Verstandes in einen manchmal recht scharfzüngigen Humor. Wir halten den Spiegel hin, einer Gruppe oder dem Einzelnen. Unsere „Zuschauer“ erkennen sich selbst in unseren clownesken Handlungen und können so über ihre eigenen kleinen und großen Schwächen lachen (das moderne Kabarett nutzt diese Kraft des Narren).

Mit viel Training, Auseinandersetzung und Erfahrung können wir weiter wandern und treten im Osten unseres Medizinrades in Verbindung mit dem Trickster, jener Clown-Persönlichkeit, die der Urfigur, dem Archetyp am nächsten kommt. Hier erfahren wir den Humor als Kraft des Herzens. Das Feuer der Weisheit, der Intuition und der oder die weise Alte symbolisieren diese Entwicklung.

Hier wird die Clown-Figur als Ganzheit erlebt und wir haben die größte Freiheit, mit dieser uns ureigensten Kraft zu spielen. Unserer Meinung nach ist der Clown ein Lebensweg, und um die tiefe Reife eines Tricksters zu erfahren, sollte die Zeit keine Rolle spielen.


Literatur

  • Berenbrinker U./Karpawitz J., Humorkompetenz – clowneske Strategien in der Mitarbeiterführung, in: Bachmaier: Lachen macht stark (Wallenstein-Verlag)
  • Berenbrinker U./Karpawitz J., Heyoka-Training – Vom indianischen Humor lernen, in: Die neue Realität (München 2007)

>> zurück