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Achtung: Kann Spuren von Humor enthalten

Clown Aktuell

10.03.2021 | Clowns

David Shiner bringt die Menschen gerne zum Lachen, betrachtet die Clown-Darstellung aber durchaus als ernsthafte Kunstform. „Im Grunde ist der Clown eine Figur, die uns hilft, mit dem heiligen Teil unseres Selbst in Berührung zu...
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10.03.2021 | Geschichte, Clowns

"Kein Mensch beginnt zu sein, bevor er seine Vision empfangen hat."Black Elk (Häuptling, Medizinmann, Heyoka und Seher der Sioux) Es ist schon lange bekannt, daß „wir Weißen“ viel von der indianischen Kultur lernen...
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Mittwoch, 10. März 2021 | Geschichte, Clowns

Heyoka – der Gegenteiler-Clown der Indianer

"Kein Mensch beginnt zu sein, bevor er seine Vision empfangen hat."
Black Elk (Häuptling, Medizinmann, Heyoka und Seher der Sioux)

Es ist schon lange bekannt, daß „wir Weißen“ viel von der indianischen Kultur lernen können. Die tiefe Weisheit indianischen Wissens hat schon viele auf den Weg des Herzens begleitet. Etwas unbekannter ist, daß wir auch in punkto Humor einiges erkennen können, wenn wir uns mit der Tradition des indianischen Volkes beschäftigen.

Aber auch die Welt der Wissenschaft hat uns einiges zu sagen: über das Lachen und seine Wirkung im körperlichen und  psychosozialen Bereich. Was nun verbindet indianische Rituale und moderne Wissenschaft und warum entstehen aus den Regeln der Clowns clowneske Strategien für den Alltag?

Heyokas, die Clowns der Indianer

Während unsere christliche Kultur Humor und Lachen konsequent aus unserem Leben verbannt hat, haben andere Kulturen und Religionen, so z.B. die Indianer Nordamerikas diese explizit in ihre spirituelle Praxis und das gesellschaftliche Leben integriert.

Lachen, Humor und Freude gehörte und gehört wieder zum nicht-zeremoniellen und zeremoniellen Leben der Plainsindianer (Sammelbegriff für die Stämme der großen Ebenen). Die indianische Kultur hat Humor und Lachen so gepflegt, dass sich ganze Gruppen oder Einzelne ihrer Berufung  als Clowns, Contraries oder Heyokas angenommen haben.

Heyoka ist ein indianischer Kult und bezeichnet gleichzeitig einen Auserwählten, der vom Donnerwesen – der höchsten Gottheit der indianischen Mythologie – in einer Vision zum clownesken Verhalten aufgefordert worden ist.

Entgegen des vorherrschenden Klischees über die Indianer Nordamerikas, das kräftig durch die Filmindustrie gestärkt wurde, waren und sind die Indianer sehr humorvoll und genießen es Witze zu machen und im Alltag Scherze zu treiben. Humor und Lachen gehörte zum Alltag, findet sich in Liedern und Erzählungen.

Viermal im Jahr wurde die Heyoka-Zeremonie abgehalten, um die Kraft von Wakan, dem Clown der indianischen Mythologie, in sich aufzunehmen.

Eine Zeremonie, bei der die Teilnehmer nicht lauthals lachen konnten, hatte ihre Wirkung nicht erreicht. Clowns waren Teil jeder Zeremonie und jedes Rituals. Eine andere Form, um im Leben des Stammes Lachen und Humor zu erzeugen, waren die Contraries und die Heyokas. Contraries lebten „verkehrt“ herum, d.h. sie taten immer das Gegenteil von dem, was normal war: z.B. wuschen sie sich mit Sand und trockneten sich mit Wasser ab. Einer ihrer Stilmittel war es eine verkehrte Sprache zu benutzen, indem sie die eigentliche Bedeutung umkehrten. „Nein“ bedeutete  „Ja“ und „Hallo“ bedeutete „Auf Wiedersehen“.

Während die Contraries immer, d.h. bei allen alltäglichen Beschäftigungen mit diesem ungewöhnlichen Verhalten verblüfften, waren die Heyokas ausgewählte Personen, die dieses konträre oder humorvolle Verhalten in der Arbeit als Medizinmann, als Schamane oder bei der Jagd zeigten. Sie waren – als indianische Clowns – neben dem Häuptling die angesehenste Person im Stamm.

Durch die Anwesenheit eines Contraries oder Heyoka wurden die Indianer an ihre Begrenztheit erinnert: über Fehler und Ungeschicklichkeiten im Alltag konnte jederzeit lauthals gelacht werden. Perfektionismus und Humorlosigkeit wurde mit Missachtung und Ausgrenzung geahndet, da dieser Mensch den Kontakt zu seinen Visionen und den Geistwesen verloren hatte.

So war es in der spirituellen und gesellschaftlichen Tradition der Plainsindianer von fundamentaler Bedeutung, eine demütige Haltung im Leben zu erlangen. Zur Demut der Indianer gehörte es, sich niedriger zu fühlen „als selbst die kleinste Ameise“ (Black Elk). Das Verständnis der Indianer implizierte eine demütige Haltung,  so daß man über sich selbst lachen konnte. Die größte innere Entwicklung vollzog daher ein Heyoka: er forderte heraus, daß andere über ihn lachten. Stolz ist ein Hindernis für spirituelle und gesellschaftliche Entwicklung. Um sich dessen zu erinnern, hat die indianische Kultur mehrmals im Jahr die Heyoka-Zeremonie eingeführt: ein närrisch-clownesker Tanz zur Anrufung des höchsten Wesens, dem Donnerwesen.

The sacred Clown: www.youtube.com/watch

Weiter Infos über Heyoka-Training: Heyoka Humortraining