Das unglaubliche Gefühl der Freiheit

Warum Straßentheater?

In den vergangenen Jahren hat sich Straßentheater zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt, die jedes Jahr viele tausende Menschen begeistert. Unter Straßentheater werden Formen des Theaters bezeichnet, die in öffentlichem Raum stattfinden, wie etwa auf Straßen, aber auch auf Plätzen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Parks, an Häuserfassaden oder auf Bäumen, in Städten wie in Dörfern. Die Künstler begeben sich dorthin, wo sie ihr Publikum finden.

Strassentheater

Plätze und Straßen erfahren Verwandlungen durch das Theater: ein Gebäude, das urplötzlich zur einmaligen Kulisse wird, eine Fußgängerzone, die überraschend ganz andere Zusammenhänge schafft als die des Einkaufens, Straßen, die unerwartet eine andere Bestimmung erfahren als die des bloßen Fortkommens. Aus dem zufälligen Zusammentreffen von Passanten mit Theater ergeben sich neue unvorhersehbare Situationen, die Stadt füllt sich mit Athmosphäre und Emotionen.

Die Künstler sind immer wieder aufs Neue in der Lage, Zuschauer und Passanten aus dem täglichen Leben in eine Welt der Fantasie und Freude zu entführen. Das Straßentheater begibt sich inmitten all der Geschäftigkeit der Innenstädte auf die Suche nach seinem Publikum. Die Zuschauer nehmen unmittelbar Anteil an dem künstlerischen Geschehen und insbesondere die sogenannten „Walk-Acts“ und „Clown-Paraden“ benötigen diese Unmittelbarkeit. Zwangsläufig ist die Sprache von sekundärer Bedeutung.

Das Straßentheater bietet weniger herkömmlich und einstudierte Inszenierungen und verlässt sich auf die kreativen Kräfte, die durch Improvisation hervorgerufen werden. Straßentheater spricht v.a. ein wesentlich breit gefächertes Publikum an, was insbesondere Alter, Stand und Status betrifft. Dies erreicht – gerade auch mit den Zuschauerzahlen – eine grössere Breite an Menschen, die sonst nie in das Theater gehen.

Das andere entscheidende Kriterium ist, daß die Straßenkünstler mit den Orten spielen. Das heißt die Orte und die Menschen, die an diesen Orten sich begegnen, haben Geschichten. Ob man will oder nicht, ob man sich darum bemüht oder nicht, die Geschichten und die vielen Energien stürmen auf die Künstler ein und werden miteinbezogen. Das ist der entscheidende Unterschied zur schwarzen Bühne: die schwarze Bühne ist ein „UN-Ort“, der keine eigene Geschichte hat. Ein Bühnenbildner zimmert sich die Welt dort zurecht.

Straßentheater in seiner vielfältigen Form – vom Clowntheater über Walk Act bis hin zu groß inszeniertem Stelzentheater und Feuertheater – ist immer verbunden mit der großen Erzähltradition. In diesem Sinne  glaubt der Künstler der Straße an die Kraft der Geschichten und Bilder, und vor allem an die Kraft der Fantasie, damit die Menschen für einen Augenblick innehalten in ihrem sonst so geschäftigen Leben.

Stelzen Walk-Act