Die kognitive und emotionale Wirkung von Humor

Auf Grund der Humorforschung  lassen sich folgende Grundlagen zusammenfassen:(aus einem Artikel von Peter Hain für den 2.Humorkongress in Basel)

Humor und lachen

Das physiologische Potential

Lachen ist gesund ! Die noch relativ neue ‚Gelotologie‘ (Lachforschung) weist nach, dass Humorreaktionen das Immunsystem beeinflussen, dass Lachen u.a. Schmerz reduzieren, Stressabbau, Durchblutung und Verdauung fördern, oder helfen kann, den Blutdruck zu senken. Die Ansätze und Ergebnisse in diesen Bereichen sind vielversprechend, eine Bestätigung der Befunde auf breiter Basis steht noch aus. Siehe Berk (8,9), McGhee (10,11) u. Rubinstein (12).

Das psychologische Potential

Nach Salameh (1) lassen sich 3 Dimensionen der  Wirkung des Humors unterscheiden:

– emotional:?Humor löst Hemmungen, reaktiviert verdrängte Affekte, ermöglicht einen unmittelbaren und spontaneren Austausch menschlicher Gefühle und führt im therapeutischen Setting zu freizügiger Gleichwertigkeit.

– kognitiv:?Humor regt kreative Potentiale an, aktiviert Entscheidungsprozesse und Perspektivenwechsel, sensibilisiert für neuartige Zusammenhänge, fördert eine explorierende Haltung gegenüber scheinbar unumstösslichen Gegebenheiten und hilft, rigide Verhaltensmuster durch flexiblere zu ersetzen.

– kommunikativ:?Humor wirkt erfrischend, entspannend und anregend (evtl. auch originell), trägt zu einer freundlich konstruktiven Beziehung bei und festigt das Arbeitsbündnis. Humor reduziert „Erhabenheitsanansprüche“ der TherapeutInnen, fördert ein Klima der Offenheit und Gleichwertigkeit und reduziert die Widerstandsbereitschaft der KlientInnen.

Die Anwendung

Während die Lachforschung messbare und meist eindeutige Ergebnisse vorweisen kann (inspiriert durch die vor etwa 30 Jahren Aufsehen erregende Selbstheilung des Norman Cousins (13), der durch eine gezielte, selbst erdachte Lachtherapie – er zog vom Spital ins Hotel und liess sich dort täglich stundenlang lustige Slapstick-Filme vorführen und witzige Bücher vorlesen – eine degenerative, als unheilbar geltende Entartung der Grundsubstanz des Knochengewebes, Spondylarthritis, überwand), wird dem Humor in der Psychotherapie gemäss ersten empirischen Untersuchungen (4) von Seiten der TherapeutInnen, wie auch der KlientInnen noch überwiegend mit grosser Skepsis oder gar Ablehnung begegnet.

Lachen ist eindeutig gesund, kann gezielt – allein oder in der Gruppe – geübt (z.B. Bauchlachen) und angewendet werden – aber der Humor?! Bereits in seinen vielschichtigen Wurzeln und Absichten, interpretiert mittels kathartischen-, Ueberlegenheits-, Aggressions- und Inkongruenztheorien – vgl. Titze et al.(1) – ist er nicht eindeutig konstruktiv und heilsam. Humor kann sich u.a. in Sarkasmus oder Zynismus verwandeln und als demütigend und beschämend erlebt werden. Auf ‚lustige Art‘ vom Therapeuten, Chef, Kollegen oder auch Ehepartner ausgelacht, degradiert oder ausgegrenzt zu werden ist keine Wachstum fördernde Perspektive.

(weitere Informationen:  www.humor.ch)

Foto by Dirk Schelpe www.pixelio.de