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Achtung: Kann Spuren von Humor enthalten

Clown Aktuell

Dienstag, 11. März 2025 | Gesundheit!Clown®

Erfahrungsbericht: Mein Weg zu Clown «Möpi» – Bericht eines Teilnehmers

Einleitung, Erwartungen und Ziele

Mit dem Wunsch, Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, entschied ich mich – nach Rücksprache mit Jan - im April 2024 an der Tamala Clown Akademie in Konstanz die Ausbildung Gesundheit!Clown® zu beginnen. Es entspricht meinem Wesenskern, den Humor und meine Heiterkeit im Alltag zu zeigen. Der Gedanke, Freude in die Welt von Krankheit und Alter zu bringen, war für mich schon immer ein tiefgreifendes Motiv. Dabei fasziniert mich die Verbindung von künstlerischer Kreativität mit gesundheitsfördernden Ansätzen sowie die wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung.

Meine Erwartungen waren vielseitig: Ich wollte die Kunst und Geschicke der Clownerie erlernen, um als Botschafter der Freude intuitiv und sensibel auf Menschen eingehen zu können. Außerdem erhoffte ich mir, durch die Persönlichkeitsarbeit an Authentizität zu gewinnen und in der Praxis nachhaltige Momente der Heiterkeit zu schaffen.

Aufbau und Inhalte der Ausbildung

Die Tamala-Methode ist das Herzstück der Ausbildung. Es ist eine ganzheitliche Herange-hensweise, welche die verschiedenen Ansätze der Schauspielkunst, darunter die Strasberg-Methode – d.h. das unmittelbares Erleben - die Grotowski-Arbeit und die Archetypenlehre von C.G. Jung verbindet. Dieser methodische Mix ermöglicht es, Rollen nicht nur oberflächlich zu spielen, sondern sie von innen heraus authentisch zu entwickeln. In den ersten Wochen wurde intensiv an der Verbindung von Körper und Emotionen gearbeitet. Dabei halfen Übungen zur Archetypenerforschung und zum assoziativen Gedächtnis, meine eigene innere Clownfigur zu entdecken und weiter zu fördern.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Kontaktarbeit, insbesondere das sogenannte Kontaktdreieck. Diese Methode lehrt uns, nicht nur mit Patienten in Verbindung zu treten, sondern auch deren Familien und das medizinische Fachpersonal einzubeziehen. Diese Dreiecksbeziehung ist entscheidend, um eine Atmosphäre der Freude und Leichtigkeit in oft herausfordernden Situationen zu schaffen.
Die Ausbildung umfasst zudem «Real Plays», bei denen gestellte Situationen trainiert werden. Hier konnten wir in simulierten Einsätzen realistische Szenarien üben, beispielsweise den Umgang mit kranken Kindern oder Demenzpatienten. Diese Übungen halfen mir, Sicherheit im Auftreten und eine klare Rollenfindung zu entwickeln.

Zusammenarbeit und Teamentwicklung

Ein besonderes Highlight der Ausbildung war die intensive Zusammenarbeit in der Gruppe. Die angenehme Gruppengrösse, die Vielfalt der Teilnehmenden – unterschiedliche Altersklassen, Hintergründe und Vorerfahrungen – hat den Lernprozess bereichert. Zu Beginn der Ausbildung standen gemeinsame Übungen im Mittelpunkt, die uns halfen, als Team zusammenzuwachsen. Im Laufe der Zeit entstanden tiefe Verbindungen und ein starkes gegenseitiges Vertrauen, das insbesondere in den praktischen Übungen spürbar war.
Ein Höhepunkt der Ausbildung war das Pflichtseminar «Der Narr und der Tod», welches uns die Bedeutung von Humor im Umgang mit sterbenden oder schwerkranken Menschen näherbrachte. Die spürbare Nähe und das rasch gewonnene Vertrauen zu den zum Teil neuen Seminarteilnehmenden waren sehr wertvoll. Denn mit Improvisation, Ritualen und tiefgehenden, persönlichen Visionsreisen lernten wir, den Tod als Teil des Lebens anzunehmen und humorvoll zu reflektieren.

Persönliche Erfahrungen und Praktikumseinsatz

Die Ausbildung war für mich eine transformative Reise. Der erste Kontakt mit den Techniken der Clownerie brachte mich dazu, mich spielerisch mit meiner eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Die Übungen zur Kontaktarbeit waren intensiv: Der Moment, in dem man mit einem einzigen Blick oder einer Geste das Eis brechen kann, war sehr beeindruckend.

Auch auf der persönlichen Ebene hat mich die Clown-Ausbildung stark geprägt. Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Clownerie habe ich einen neuen Zugang zu meiner eigenen Freude und Intuition gefunden. Besonders die Persönlichkeitsarbeit (z.B. die Core Dy-namik) hat mich gelehrt, authentisch zu sein und meine Gefühle klar zu kommunizieren.

Die Arbeit als Gesundheit!Clown erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Sensibilität und Kommunikationsfähigkeit. Durch die gemeinsamen Übungen und den Austausch mit anderen Teilnehmenden konnte ich diese Fähigkeiten weiter ausbauen. Besonders hilfreich war das Feedback der Gruppe, welches mir half, meine Stärken und persönlichen Entwicklungsfelder noch besser zu lokalisieren.
Darüber hinaus habe ich gelernt, wie wichtig es ist, innerliche frei und flexibel zu sein und sich auf die Bedürfnisse der Menschen einzustellen. Egal ob Kinder, Jugendliche in einer Klinik oder Senioren im Altersheim – jeder Mensch hat andere Bedürfnisse, die es zu respektieren gilt. Diese Einsicht hat mein Verständnis für soziale Interaktionen nachhaltig geprägt.

Im Rahmen meiner Ausbildung Gesundheit!Clown® an der Tamala Clown Akademie in Konstanz durfte ich am Dienstag, 21. Januar 2025 einen bereichernden Praktikumseinsatz in der Klinik für Kinder und Jugendliche am Hegau-Bodensee-Klinikum Singen absolvieren. Gemeinsam mit meiner Kollegin und Clownin «Lila» konnte ich das Erlernte direkt in der Praxis anwenden und die jungen Patientinnen und Patienten in ihren Krankenzimmern besuchen. Besonders beeindruckt hat mich, wie gut die Kinder und Jugendlichen – trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen – auf unser Clownspiel reagierten. Ob es das Lächeln der sechs Monate alten Maja war oder das herzliche Lachen der Kinder und älteren Jugendlichen, jedes Erlebnis zeigte mir die Kraft von Humor und spielerischer Ablenkung.

Die grossmehrheitlich positive Resonanz von Kindern, Eltern und dem Klinikpersonal hat mich tief berührt und bestätigt, wie wichtig Clowns in der Krankenpflege sind. Auch die Interaktion mit den Jugendlichen, deren Reaktionen zu Beginn oft unberechenbar sind, war eine spannende Herausforderung, die ich mit Freude angenommen habe. Ich habe gelernt, dass jede Begegnung einzigartig ist und Sensibilität und Empathie die wichtigsten Werkzeuge für einen Clown sind. Dieser Praktikumseinsatz hat mir nicht nur wertvolle praktische Erfahrungen vermittelt, sondern auch meine Überzeugung gestärkt, wie bedeutsam unsere Arbeit für das Wohlbefinden der kleinen Patienten und Patientinnen ist.

Ich bin dankbar für diese Gelegenheit und freue mich darauf, mein Clownsspiel in Zukunft weiterzuentwickeln, um auch in anderen Kliniken Kinderaugen zum Leuchten zu bringen.

Am darauffolgenden Mittwoch, 22. Februar 2025, hatte ich die besondere Gelegenheit, die Clownin «Mirada» und die Clownin «Cornetta» bei ihrer Arbeit im Pflegeeinrichtung Haus Urisberg in Konstanz zu begleiten. Es war beeindruckend zu sehen, wie sie mit viel Achtsamkeit und Empathie auf die Bedürfnisse und Stimmungen der Bewohnenden eingingen. Die Interaktionen reichten von kleinen humorvollen Momenten bis hin zu tiefen, berührenden Begegnungen, die sowohl den Bewohnenden als auch dem Team Freude und Leichtigkeit brachten. Besonders bemerkenswert fand ich, wie schnell die beiden Clowninnen es schafften, eine Verbindung aufzubauen, selbst mit Menschen, die anfangs zurückhaltend wirkten. Dieser Einblick hat nochmals bestätigt, wie wichtig es ist, flexibel und achtsam zu agieren, um jedem Individuum gerecht zu werden. Die spürbare Wärme und das herzhafte Lachen, das ich erleben durfte, waren berührend und haben meine Wertschätzung für diese Form der Clownsarbeit weiter gestärkt.

Herausforderungen und Umgang damit

Keine Frage – die vielseitige Arbeit als Gesundheit!Clown® ist nicht immer leicht. In schwierigen Situationen – beispielsweise bei Ablehnung von Zimmerbesuchen, bei Ignoranz oder negative Äusserungen während dem Clownspiel - die Freude aufrecht zu halten, ist sehr anspruchsvoll. Bei unserem Praktikumseinsatz im Spital in Singen/D fragten wir eine Mutter, ob wir ihren Sohn im Zimmer besuchen dürften. Als Antwort erhielten wir ein umgehendes, schroffes «Nein». Zum Glück lernten wir während unserer Ausbildung, solche Situationen professionell – d.h. mit der notwendigen Leichtigkeit - zu meistern.

Emotionale Belastungen wie der Umgang mit schwer erkrankten Kindern, mit autistischen und dementen Menschen, stellten mich ebenfalls vor Herausforderungen. In solchen Momenten war die Unterstützung der Ausbildenden und Kolleginnen/Kollege essenziell. Die verschiedenen Reflexionsarbeiten in Supervisionen halfen mir, zukünftig solch schwierige Situationen zu verarbeiten und gestärkt daraus hervorzugehen.

Auch die dauerhafte Suche nach technischer Perfektion in der Clownsarbeit hat mich immer wieder aufs Neue gefordert. Das Beherrschen von Timing, Improvisation und der Balance zwischen Komik und Sensibilität verlangte viel Übung und Geduld. Die wiederkehrenden Feedbackrunden mit der Ausbildungs-Crew waren dabei sehr hilfreich.

Fazit und Ausblick

Die Ausbildung Gesundheit!Clown® an der Tamala Clown-Akademie war für mich eine transformative Erfahrung. Sie hat mir nicht nur die notwendigen fachlichen Kompetenzen vermittelt, sondern auch meine persönliche und soziale Entwicklung gefördert. Die Kombination aus Methodik, praktischen Einsätzen und intensiver Teamarbeit hat mir gezeigt, wie wichtig Humor und Freude für das menschliche Wohlbefinden sind. Für die Zukunft plane ich, in Spitäler, Alter- und Pflegeheimen zu arbeiten, aber auch in Schulen als Schulclown Kinder zu unterstützen. Mein erklärtes Ziel ist es, durch meine Arbeit wertvolle Brücken zu bauen – zwischen Menschen und ihrer inneren Freude.

Danksagung

Mein herzlicher Dank gilt der Tamala Clown Akademie, insbesondere den Ausbildern Jenny Karpawitz, Udo Berenbrinker und Jan Karpawitz, die mit ihrem Fachwissen und ihrer Leidenschaft die Ausbildung zu einer unvergesslichen Erfahrung gemacht haben. Ein besonderer Dank geht an meine Kolleginnen und meinen Kollegen «Ottika», die mit ihrer Unterstützung und Inspiration einen großen Beitrag zu meinem Lernprozess geleistet haben. Nicht zuletzt danke ich den Menschen in den Einrichtungen in Singen/D und Konstanz/D, die uns Clowns die Chance gegeben haben, ihre Welt für einen Moment mit Lachen und Freude zu füllen.

Erfahrungsbericht von Rolf Stocker alias «Möpi»