Humor am Arbeitsplatz Mit Humor-Training zu mehr Stressresistenz in der Pflege und Medizin

HUMOR IN DER PFLEGE UND MEDIZIN

Humor am Arbeitsplatz – Mit Humor-Training zu mehr Stressresistenz in der Pflege und Medizin

Humor wird auch in der Personal- und Teamentwicklung, gerade in sozialen und medizinischen Institutionen, vermehrt eingesetzt. Denn er gilt als wirksamer Puffer gegen Stress und fördert die Teambildung. Interessant dabei: Humor kann man tatsächlich lernen und trainieren, wie zahlreiche Forschungen  an renommierten Universitäten ergeben hat.

Der Stationspfleger in der Psychiatrie bittet den neuen Patienten, sich auf die Waage zu stellen. Der Patient sagt: «Ich habe aber nur ein Bein.» Darauf der Pfleger: «Dann dürfen Sie auch etwas weniger wiegen.» So habe eine Situation, die tendenziell peinlich gewesen sei, mit einem Lachen aufgelöst werden können, sagt Martina Houben, Fachfrau für Personalentwicklung und Coaching bei der AWO Rheinland-Pfalz. Humor baue Brücken, schütte Gräben zu, mache Missliches erträglicher und vertreibe schlechte Laune. Dabei wird Humor als spielerische Haltung definiert, mit der man es sich und anderen leichter mache: Schwierige Situationen lassen sich durch einen Perspektivwechsel wenden. Man gehe auf Distanz zu einem Problem und bekomme dieses eher in den Griff. Von der Stadtverwaltung über das Industrieunternehmen bis zur Gesundheitsinstitution: Udo Berenbrinker hat schon viele Kunden in Sachen Humor beraten. Für den internationalen Humorexperten ist es eine bewusste Entscheidung, den Fokus im Arbeitsalltag auf humorvolle Dinge zu richten: «Um Humor zu spüren, brauchen Menschen einen vorbehaltlosen Blick und die Offenheit, sich überraschen zu lassen von dem, was kommt.» Wer einmal den Blick geschärft habe, entdecke rundherum viele kleine erheiternde Situationen. Das gelte gerade  auch für Arbeitsumfelder wie Heime und Spitäler, obwohl es die Mitarbeitenden mit Krankheit, Leid und Tod zu tun hätten.

Belastendes besser meistern – Gerade Gesundheitspersonal pflege unter sich teils einen recht schwarzen Humor, weiß die Zürcher Humorforscherin Heidi Stolz. Dieser helfe dabei, Abstand zu finden und sich emotional nicht zu stark involvieren zu lassen. Aus dem gleichen Grund bedienten sich auch Feuerwehrleute einer recht derben Sprache, wie man aus einer Untersuchung wisse. Heidi Stolz gehört zu einem Forschungsteam am Psychologischen Institut der Universität Zürich, Fachrichtung Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik unter der Leitung von Professor Willibald Ruch. Dort beschäftigt man sich im Rahmen der Positiven Psychologie mit dem Humor als persönlicher Ressource des Menschen und schließt damit eine Forschungslücke. Bisher stammten die meisten Studien über die Wirkung von Humor aus den USA, sagt Heidi Stolz. Doch deren Ergebnisse ließen sich nicht eins zu eins auf Europa übertragen. Als gesichert gilt, dass Humor die Teambildung fördert. Aber nur, wenn dabei niemand ausgegrenzt wird: «Sich über jemanden lustig zu machen, ist nicht teambildend», sagt Heidi Stolz. Erhöht wird zudem die Einsatzbereitschaft für das Unternehmen. Und vor allem: Humor ist ein Puffer gegen Stress. Es konnte nachgewiesen werden, dass belastende Situationen bei Personen mit wenig Sinn für Humor die Stimmung verschlechtern und körperliche Beschwerden verstärken. Bei Personen mit viel Sinn für Humor dagegen treten diese Effekte nicht auf. Wenn eher humorlose Personen bewusst eine humorbetonte Haltung einnehmen, bewältigen aber auch sie eine stressige Situation besser. Und die Ernsten? Auch Konflikte können mit Humor entschärft werden. Es bringe allerdings nicht viel, erst im akuten Konfliktfall auf Humor setzen zu wollen, wie Udo Berenbrinker und Jenny Karpawitz vom Trainingsinstitut HumorKom  unterstreichen. Humor wirke hier eher präventiv: «Ich rate, Humor in guten Zeiten zu üben, damit man ihn in schlechten Zeiten zur Verfügung hat.» Führungskräfte könnten dabei ein gutes Vorbild sein und so «die Erlaubnis geben, im Unternehmen und medizinisch-pflegerischen Einrichtungen humorvoll miteinander umzugehen». Denn die Mitarbeitenden orientierten sich noch immer an den Chefs.

Erwachsene lachen gemäß einer US-Studie nur gerade 15 bis 20 Mal am Tag, während sie als Kind noch täglich 300 bis 400 Mal gelacht haben. Und was tun, wenn man im Pflegealltag  eher zu den ernsthaften Personen gehört, die die Dinge tendenziell schwer nehmen? Die Antwort lautet: Kein Problem. Humor ist lernbar. Als Charaktereigenschaft kann der Sinn für Humor entwickelt und gestärkt werden. Das hat die Zürcher Psychologin Heidi Stolz zusammen mit ihrer Kollegin Sandra Rusch letztes Jahr in einer Untersuchung mit 140 Personen nachweisen können. Bei jener Gruppe unter den Studienteilnehmenden, die ein intensives Humortraining absolviert hatten, stieg der Sinn für Humor an, die schlechte Laune im Alltag wurde seltener, die Heiterkeit nahm zu. Nicht nur die Versuchspersonen selber schätzten dies so ein, sondern auch Menschen aus ihrer Umgebung. Die erworbene Heiterkeit hielt auch zwei Monate später noch an. Demnach lässt sich Humor in 3 Schritten erlernen.  Das Internationale Trainingsinstitut HumorKom in Konstanz am Bodensee hat zusammen mit Prof. Dr. Dr. Hirsch aus Bonn und dem Konstanzer Prof. Bachmann ein wissenschaftlich fundiertes 3-Säulen Modell entworfen:

  • Entwicklung des paradoxen Denkens = ein anderes Denken installieren
  • Körper & Gefühle = durch Humortechniken eine authentische Persönlichkeit entwickeln (Körpersprache, emotionaler Humor)
  • Sprache & Sprachwitz = vom verrückten Dialog zur gekonnten Schlagfertigkeit (Witze, Sprachwitz, Schlagfertigkeit, Regeln der Komik)
  • Humor und Freude: Kontakte auf dem Prinzip der Freude aufbauen
  • Abbau von Streßverhalten: Vorbeugungsmaßnahmen mit Humor

Ziel der Trainings sei die Ermutigung, mehr Humor zu wagen. «Es lohnt sich.» (Jenny Karpawitz) Das finden auch Heidi Stolz und Sandra Rusch: Humor sei eines der besten Mittel, um Stress auf gesunde Art und Weise zu bewältigen, schreiben sie in ihrer Habilitationsarbeit. Zitiert wird der deutsche Schriftsteller und Kabarettist Joachim Ringelnatz (1883 bis 1934), der gesagt hat: «Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.» Weitere Informationen zum Thema Humor und Arbeit:

Humor-Kompetenz. Clowneske Strategien in der Mitarbeiterführung 
Prof. Bachmaier (Hrsg): Lachen macht stark (Wallenstein-Verlag 2005)

Humorvolle Führung – Humor als Erfolgsfaktor für Unternehmen
www.business-wissen.de

Mit den Augen der Freude – Flow und Freude im Umgang mit Patienten in:

Titze/Koop/Müller: Mit Humor und Heiterkeit Krisen meistern (HCD-verlag)

Flow – Der Arbeitsplatz als Glücksquelle
www.business-wissen.de

Website: www.humorkom.de

(Fachartikel in der Zeitschrift „Die Schwester Der Pfleger“)